Donnerstag, 1. Dezember 2016

Staying Power - the Power of Software Ecosystems

The business model of "platform + complements = ecosystem" is one of the best-scaling business models of today. It has been described by M. Cusumano in 2011 in his book "Staying Power". This book clearly shows why large US companies are successful today, and why many others, like German companies, loose markets. The book has taught me why Germany has not been able to win important IT platforms over the years: compilers, databases, web browsers, operating systems, everything went to the US. There is one single exception: the SAP products were, right from the beginning, planned as a platform with a software ecosystem of consultants, solution providers and plugin complementors. 

Platforms create vendor-lock-ins, i.e., the ecosystem is dependent on the platform owner. Wars ("platform wars") are fought about platforms. Platforms can create enourmous large ecosystems with millions of "complementors". 

If Germany wants to have success in IT, it should look at this business model. 

Examples for ecosystems on monolithical platforms owned by a single company

  • Apple and Google appstores - well, everybody knows
  • Atlassian ecosystem (Jira, Confluence etc.)

Examples for ecosystems on monolithical platforms owned by several players

These ecosystems are more stable because if a platform owner dies, the platform still has a chance to survive:
  • Eclipse, a layered ecosystem
  • AutoSAR, an ecosystem for control software for cars
  • Genivi, an ecosystem for in-vehicle infotainment (IVI)

Dienstag, 22. November 2016

Immersive Robotics

Immersive Robotics makes you dive into the robot's view of the world:

https://www.inf.uni-hamburg.de/en/inst/ab/hci/projects/immersive-robot-control.html

Software Institute DLR

Dresden gets a Software Institute, hosted by DLR. Some links below




Smart Clothing

Handy clothes are clothes equipped with sensors and mobile phone chips, such that the mobile phone vanishes into the cloth. In about 10 years, they will be cheap to buy because the prices for sensors and highly integrated chips shrink year by year.

Here an overview of current smart clothes:

https://www.wearable-technologies.com/2015/03/a-look-at-smartclothing-for-2015/

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Studiengänge

Lieber Herr Assmann,

Ein Studiengang ist ein System und damit eine Konstruktionsaufgabe. Konstruktionen sind keine bloßen Aggregationen oder Schüttungen in Modulkästen. Konstruktionen bedürfen der Konstruktionsrichtlinien. Wo kommen diese Richtlinien her? Antwort: Natürlich aus der Wissenschaftstheorie eines Fachs, wenn man einen wissenschaftlichen Anspruch hat. „Wissenschaftlich“ heißt ganz einfach: man hat einen Anspruch auf Genauigkeit. Ja, woher sollen die Richtlinien denn sonst wohl kommen? Vom Jahrmarkt der Eitelkeiten und Egoisten etwa? Die Konstruktionsaufgabe ist nicht voraussetzungslos. Wenn der Staat Studiengänge bezahlt, kann er auch Voraussetzungen stellen. Bei BaMa-Studiengängen ist dies die Berufsfähigkeit mit Abschluss des Bachelor-Studiums. Daran haben wir uns auszurichten, oder aber wir finanzieren den Studiengang anderweitig privat. Davon gehen wir hier nicht aus. Finanzierung ist ein wichtiges Geschäft. Das Geld fällt nicht vom Himmel, sondern muss verdient werden.

Wo fangen wir an? Die klassische Frage des Anfangs. Wir betrachten das Theophrast‘sche Modalgefälle des Ingenieurs: Δ! A  Err A  ∇A. Fangen wir bei Δ! A an und verfolgen einem Zweckzusammenhang oder beginnen wir mit ∇A und dem Bereitstellen der Möglichkeiten, um auf den gegebenen Möglichkeiten langsam die Erreichbarkeit zu „erreichen“ und auch zu begründen? Dieser Zusammenhang heißt Begründungszusammenhang. „erreichen“ in Anführungszeichen ist hier ein Meta-Erreichen. Wir wollen beim Entwurf von Studiengängen das Erreichen erreichen, so ähnlich wie wir auch über Sprache sprechen können.

Wir müssen uns einigen, dass wir den Begründungszusammenhang wählen. Der Zweckzusammenhang hat schon zu bitteren Erfahrungen geführt. Ich erinnere mich: TH Darmstadt in den 70-er Jahren: 1. Semester Bauingenieure: Projektarbeit „ Bau einer Brücke!“ als ein Δ! A. Warum das? Man wollte die berühmte Motivationslücke schließen. Motiviert wird man durch Zwecke, sagte man, und nicht durch Möglichkeiten. Das Projekt scheiterte. Motivation (Antriebskraft) ist eine psychologische Kategorie. Antriebskräfte sind schon erforderlich, bloß nicht erzeugt durch Endzwecke wie damals in Darmstadt, sondern durch Verstehen. Das ist ein logischer und kein psychologischer Begriff. Wenn ich verstehe, werde ich auch motiviert, und verständnislos bleibe ich demotiviert, weil ich mit dem Dargebotenen selbständig nichts anfangen kann. Logik geht der Psychologie voran und nicht umgekehrt. Verstehen kann man aber nur durch Begründen. Also folgen wir dem Begründungszusammenhang, „bottum-up“. Und der ist nicht analytisch einem logischen Schluss folgend. Der ist, Kantisch gesprochen, synthetisch oder konstruktiv, wie wir bereits wissen aus dem 2. Blog.

Wegen der staatlichen Voraussetzung der Berufsfähigkeit schlitzen wir das Modalgefälle von unten nach oben vertikal auf und erhalten zwei Scheiben (slices): Slice 1 = Basics (Bachelor) Slice 2 = Advanced (Master) In Slice 1 wollen wir eine Berufsfähigkeit erreichen, also ein Vermögen, um darauf später im Beruf eine Berufsfertigkeit anzustreben. Berufsfähigkeit verstanden als ein Vermögen, Anfänger- oder Einstiegsaufgaben im Beruf lösen zu können. Man sollte auch in der Lage zu sein, die Standardliteratur des Faches zu verfolgen und zu verstehen. Das ist eine ganze Menge, was da verlangt wird. Ein schweres Geschäft für junge Menschen! Man denkt an die eigene Jugend zurück. Um verständlich zu bleiben, möchte ich zur Beschreibung des „undergraduate study“, wie die Amerikaner das Studium in vier Jahren zum Bachelor nennen (Freshman, Sophomore, Junior, Senior), einige Parameter einfach so hinwerfen, die aus dem MINT-Jargon stammen.

  1. Vorweg: Bei „Undergraduates“ dominiert das Lehrbuch (textbook), die in Amerika stapelweise in den „bookstores“ stehen. Ohne gute „Textbooks“ mit vielen Übungsaufgaben und Musterlösungen sollte man kein Bachelor-Studium planen wollen. Das Zeigen schon gelöster Übungsaufgaben ist die halbe Miete. Abschreiben untereinander ist erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht 
  2. Alles bleibt linear, um Gottes willen nicht schon in das schwierige Nichtlineare, das dem Master überlassen bleibt.
  3. Kein Abschwirren auf die Meta-Ebene einer Sprache. Alle Sprachen, die eingeführt werden, bleiben Gebrauchssprachen. „Meta-“, also das „Das Sprechen über Sprechen“ ist zu schwierig und wird in den Masterteil verschoben. Da gehört deshalb dann auch in der Informatik der Compilerbau hin.
  4. Erreichbarkeitstudien in Form von größeren Arbeiten sollten erst nach dem Sophomore, also im dritten, im Junior-Jahr beginnen. Erreichbarkeitsstudien gehören schon zur Hauptschule, nicht mehr zur Vorschule (Propädeutikum) . 
Auf Details, z.B. eines spezielles Fachs, können wir uns hier nicht einlassen. Wir können nur einen konstruktiven Aufbau fordern: Schrittwiese, Zirkelfrei und alles Explizit machen (SZE). Ich kam 1979 aus Darmstadt in die Informatik nach Erlangen, viel zu spät, um an der Hauptentwicklung des methodischen Konstruktivismus Erlanger Prägung um Kamlah/Lorenzen mitwirken zu können. Eins ist aber ist wichtig zu vermerken: Die Erlanger, mit einer gewissen jugendlichen Naivität, glaubten damals so um 1965 tatsächlich noch, eine spezielle Fachdidaktik als entbehrlich heraus stellen zu können. “Die Fachdidaktik muss sich aus dem Fach selbst ergeben“, war ihre Losung, wie mir berichtet wurde. Das ist eine Aufforderung an BaMa-Konstrukteure. Stünde es um BaMa und um die armen Studenten heute nicht besser, wenn wir den konstruktiven Erlangern der 60-er Jahre gefolgt wären?

Wer hat diese Frage zu beantworten? Politiker, Professoren? Aber gewiss nicht die Studenten. Das sind, so gesehen, die armen Schweine, die vor Schüttgut stehen, das sie nunmehr zeitbegrenzt fressen sollen. Was hat Lorenzen mit seinen didaktisch aufzufassenden Arbeiten zur Protophysik und zur Protogeometrie nicht alles geleistet? Das beste Buch, das er geschrieben hat, ist aus meiner Sicht ein Schulbuch: „Elementargeometrie“. Welcher Professor schreibt heute noch Schulbücher? Das ist, wie vieles bei Lorenzen, Weltklasse. Kinder brauchen Märchen, Erwachsene brauchen Vorbilder. Hier, im Wikipedia, ist ein Vorbild für Studienplan-Konstrukteure: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lorenzen

Viele Grüße Ihr H. Wedekind

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ingenieure und ihre Planeten

Lieber Herr Assmann,

Darf ich zum Thema „ Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaften“ noch einen Ergänzungsblog absetzen. Teil-Thema : „Ingenieure und ihre Planeten“.

Wir führten schon aus, dass Ingenieure berufsmäßig in ihrem Sinnen und Trachten in der praktischen Modalität der Erreichbarkeit anzusiedeln sind. Ein Ingenieur wird definiert als ein auf das Erreichbare gerichteter Mensch, der sich auf Naturwissenschaften beruft, wobei er im Modellieren u.a. Mathematik und Logik einsetzt. Wegen der fehlenden Naturwissenschaften sind Informatiker keine Ingenieure. Sie gehören aber zur Familie, weshalb der Begriff Sprachingenieure eingeführt wurde (Ortner).



Ist Mathematik eine Sprache? Das ist ein längeres Thema. Paul Lorenzen in „Mathematik und Sprache“ sagt „teils teils“. Man spricht von einem Modalgefälle, um von einem Gebotenen (Δ!), über ein Erreichbares (Err) zu einem Möglichen (∇) zu gelangen. Theophrast’sche Gefälle nennt man das zu Ehren von Theophrast, einem Schüler des Aristoteles und späteren Leiter der Akademie. Es gibt aber nicht nur ein Gefälle, sondern ein ganzes Katarakt von Stromschnellen, in denen der Ingenieur steht, von denen unten nur die affirmativen (positiven) zu sehen sind. Die negativen sind weggelassen (und sind bei dem bereits zitierten Lorenzen zu finden). Neu ist der modallogische Schluss: Alles was notwendig ist (Δ), ist auch erreichbar (Err). Einen ganz wichtigen Schluss vermissen aber wir in der Abbildung. Den gibt es auch gar nicht, und kann deshalb nur in seiner verneinenden Form angeboten werden kann. Er lautet: Alles, was erreichbar ist (Err), ist noch lange nicht erlaubt (∇!). Der Übergang von Err nach ∇! existiert nicht.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt für die Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaften. Wo kann der Ingenieur nachlesen, was erlaubt ist? Da gibt’s allgemeine Normen und Gesetze und eine darüber gestellte Ethik, da gibt‘s eine Ökologie, die sagt, das die Umwelt zu schonen ist, und da gibt’s eine Ökonomie, die sagt, was beim Einsatz von angemessenen Mitteln erreichbar ist. Wir nennen die drei Ethik, Ökologie und Ökonomie die Planeten oder Satelliten der Ingenieure, ohne die ein geordnetes Gesamt-System in unserem Kosmos nicht funktionieren kann. Wohlgemerkt: Die Physik und Chemie erreicht der Erreichbarkeits-Ingenieur direkt über den Schluss zur Möglichkeit hin (∇). Diese Wissenschaften haben ihm die als theoretische Modalität die theoretischen Grundlagen zu liefern, sie gehören zu ihm und sind keine Planeten. Ohne die geht überhaupt nichts. Er kann nichts oder nur wenig erreichen. Dem Informatiker geht’s mit der Sprache so (Linguistik im weiteren Sinne). Im Verständnis von Paul Lorenzen (siehe: Journal for General Philosophy of Science (1994) S.125-133) gehören die Ingenieurwissenschaften zu den Notwissenschaften, das sind „diejenigen Wissenschaften, die zur Sicherung des Friedens ohne Armut (bei angemessenem Wohlstand) nötig sind. Das ist nur ein Teil der faktisch betriebenen Wissenschaften.

Als Verteilungsmaxime für Forschungsmittel ergibt sich m.E. aus unserer kulturellen Tradition: für Notwissenschaften soviel wie nötig, alles Übrige den freien Wissenschaften“. Was sind nun freie, nicht-planetarische Wissenschaften, also die, die sich nicht einem angemessenen Wohlstand in Frieden als praktische Aufgabe gewählt haben? Eine schwierige Aufgabe? Keineswegs. Wir brauchen uns nur gemeinsam über den Fächerkatalog des Hochschulverbandes (erwähnt bei Mittelstraß) zu beugen und unter 4000 Fächer auszuwählen. Wir finden in dem Katalog u.a. brasilianische Sprachwissenschaften, Didaktik der Astronomie, Gerontophsychologie, Hymnologie (Gesangbuchforschung) etc., etc. Ich glaube, unter Kritischen wird eine Einigung schnell erzielt. Die Unterscheidung „Not“ oder „Frei“ ist schnell getroffen.

Nicht so schnell ist die Frage zu beantworten, wie man aus dem Modalgefälle in umgekehrter Richtung einen Bachelor/Master-Studiengang (BaMa) für eine Notwissenschaft „Ingenieurwissenschaft“ bei knappen Ressourcen entwickelt. Das kann eine schwierige, aber lösbare Frage für einen möglichen, nächten Blog sein. Da beim Bachelor schon Berufsfähigkeit (nicht Berufsfertigkeit!) vorliegen soll, muss dass Theophrast’sche Modalgefälle von unten nach (bottom-up oder konstruktiv, d.h. schrittweise, zirkelfrei und alles explizit machend) in zwei vertikale „Slices“ aufgeschlitzt werden: Slice 1 = Basics (Bachelor); Slice 2 = Advanced (Master).

Lieber Herr Assmann. Jetzt sind wir eigentlich erst richtig beim Unterthema Ihres Blogs: BaMa. Ich kann weiter machen. Aber was soll’s, wenn kein Interesse besteht?

Viele Grüße

Ihr H. Wedekind

PS: Man erkennt leicht. dass ich hier eigentlich nur Fußnoten zum großen Paul Lorenzen (1915-1994) bringe. Fragte man in meiner früheren Umgebung nach den größten Logikern aller Zeiten, bekam man spontan die Antwort: Aristoteles, Frege, Gödel und Tarski. Zusatzfrage: Gibt‘s nicht mehr? Spontanantwort: Paul Lorenzen. Frage : Warum? Antwort: Der hat die dialogische Logik erfunden, die nicht nur klassisch, sondern auch konstruktiv aufgezogen werden kann. Frage: Und wo bleiben Leibniz und Boole? Antwort: Schauen Sie, das sind ganz große Leute, aber die haben in Sachen Logik im Vergleich zu den großen Fünfen nichts Vergleichbares abgeliefert. Ende des Dialogs, den man beliebig weiterführe.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Wie ist eine Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaft möglich?

Wie ist eine Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaft möglich? (Is a Philosophy of Science of Engineering feasible?)

Lieber Herr Assmann,

in meinem letzten Blog über „Präskriptive Modelle“ deutete ich schon an, dass ich in einem Nachfolge-Blog das Thema „Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaft“ (Philosophy of Science of Engineering) behandeln möchte. Ich darf zunächst kurz aus dem letzten Blog wiederholen, dass die praktischen Modalität der Erreichbarkeit (Err A) eingespannt wird zwischen der theoretischen Modalität des Gebotes (Δ! A) und der theoretischen Modalität der Möglichkeit (∇ A). Err A bedeutet: : Es wird behauptet, dass der Sachverhalt, der durch A beschrieben und dargestellt wird, erreichbar ist. Es gelten die modallogischen Schlüsse:

Δ! A → Err A → ∇ A

In Worten: Was geboten ist, ist auch erreichbar, und was erreichbar ist, ist auch möglich. Natürlich gilt auch die Transitivität: Was geboten ist, ist auch möglich.

Ingenieurwissenschaftler konzentrieren sich nach einer Spezifikation von A als Modell und Δ! A als dessen Präskription auf den modallogischen Übergang zur Erreichbarkeit (Err A) , wobei sie sich bewusst sind , dass mit Err A auch ein Übergang zu ∇A zwingend ist. Unmögliches soll man nicht zu erreichen versuchen.

Was konstituiert nun Err A? Oder in anderen Worten: Was bestimmt Err A?
  1. Die Idee (oder auch der Einfall)
  2. Die Beschreibung und Bereitstellung von Mitteln, um A erreichen zu können.
Zu 1) Es gibt zwei Fälle:
  • 1.Fall: Nichts Neues wird verlangt für Err A. Man sagt, alles ist Routine und geschieht aus oder nach Erfahrung. 
  • 2. Fall: Es wird eine Idee für das Neue verlangt. Es muss, so würde man heute sagen, etwas Kreatives geschehen. 
Wie kommt man zu diesem Neuen? Ich bringe jetzt ich ein Zitat, das mich selbst vor Jahren schon überrascht hat. Der Arbeiterführer, Gewerkschafter und Ex- Bundesarbeitsminister Walter Riester („Riester Rente“, kennt jeder) erzählt in einem Aufsatz „ Die Zukunft der Arbeit -Die neue Rolle der Gewerkschaften“ (in: „Arbeit der Zukunft, Zukunft der Arbeit“, Herrhausen Gesellschaft, Poeschel Verlag 1994) über eine Vorlesungen in Frankfurt bei W. Adorno. Riester gibt zu, dass er Adorno wenig verstanden hat, als er die berühmten Kant’sche Zentralfrage behandelte“ Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ Adorno erklärte, so Riester, die Kant‘sche Frage durch Umformulieren, indem er moderner sagte: “Wie ist Neues überhaupt möglich?“ Nun, Riester und Adorno sind sicherlich keine Ingenieur - Kompetenzen. Aber im Prinzip richtig gesehen hat Adorno den Kant‘schen Satz schon.

Auch wir müssen, wie Adorno, eine Umformulierung vornehmen. Ingenieure sagen statt „synthetisch“ (gr.) sinngleich „konstruktiv“ (lat.). Der Ausdruck „Synthetisches Urteil“ ist in Ingenieursprache eine Konstruktion. A priori heißt bei Kant „jenseits der Erfahrung“ oder „abgesetzt von der Erfahrung“, auf die wir im 1. Falle nicht verzichten konnten. Die Konstruktion, das neu Zusammengesetze (wörtlich) ist das Neue, das abgesetzt von der Erfahrung als Idee, als Einfall zustande kommen soll. Wir müssen den Satz zunächst mal als Empfehlung auffassen. Kant sagt uns, dass wir uns von der Erfahrung lösen müssen, um zum Neuen vorzustoßen. Viele befolgen den Kant‘schen Satz in der Ingenieurfassung, wenn sie schöpferisch arbeiten wollen und eine geradezu panische Angst haben, in den Trott einer Erfahrung zu gelangen, von der Ältere schwärmen, weshalb sie ja auch nicht mehr schöpferisch sind. Schön, wenn diese „Erfahrungsgiganten“, das ist eine Anerkennung, das auch merken.
   
Zu 2) Mittel zu konzipieren, zu beschreiben und bereitzustellen ist ein bekanntes Ingenieurthema und soll deshalb hier nicht behandelt werden. Wichtig aber ist die Feststellung, dass Err A in der modallogischen Kette iteriert wird, wie die Informatiker für Wiederholen sagen. Es gibt also für Err A beliebig viele Unterketten und das führt uns auf ein Zentralproblem des „Engineering“: das Zerlegen. „How to decompose systems into modules“ war der Titel eines bekannten Aufsatzes meines berühmten Darmstädter Kollegen David Parnas in den 70ger Jahren. Damals war der Aufsatz sehr beindruckend, und heute ist er es auch noch.

Man sieht an der obigen Darstellung, dass eine Wissenschaftstheorie der Ingenieurwissenschaften auf Logik basiert. Wittgenstein wäre über diesen Satz sehr befriedigt. weil er der Auffassung war: „Außerhalb der Logik ist alles Zufall“ (Tractatus 6.3). Nun gut, das mag dahingestellt werden. Wenn aber ein Ingenieur-Präsident einer Technischen Universität unter Zeugen sagt „Logik brauchen wir nicht“, dann ist das tieftraurig und man sieht wie viel wissenschaftstheoretische Arbeit im Ingenieurbereich noch zu leisten ist.

Viel Grüße

Ihr H. Wedekind

PS.: Der Satz „ Δ! A → Err A hat in seiner klassischen Kontraposition eine berühmte Entsprechung, auf die schon Paul Lorenzen hingewiesen hat. Kontraponiert heißt der Satz: ¬ Err A → ¬ Δ! A , oder : Über seine Fähigkeiten darf niemand verpflichtet werden. Die römischen Richter sagten: „ Ultra posse, nemo obligatur“. Das alte Rechtsprinzip ist übrigens der Grundsatz der heute angefeindeten Hartz IV Gesetzgebung. Der Antragsteller muss ein „non possum“ (ich kann nicht) nachweisen.

Hartmut Wedekind Fichtestr.34 64285 Darmstadt Tel.: (06151) 44584